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13-Jährige Opfer von sechs Jugendlichen

Aktuell:
Presseerklärung zur Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens durch sechs Jugendliche, die das Opfer über Internetkontakte kennengelernt hat.

Sexuelle Gewalt durch Jugendliche
in den Chaträumen des Internets


„13-jährige durch sechs Jugendliche mehrfach vergewaltigt!“ – so lautet die heutige Schlagzeile der Medien, die der heutigen Pressekonferenz von Zartbitter Köln zur Präsentation der Prävention von sexueller Ausbeutung in den Chaträumen des Internets eine traurige Aktualität verleiht, denn die 13-jährige aus Hildesheim hatte einen ihrer Peiniger übers Internet kennengelernt. Schon zu dem ersten Treffen soll der Jugendliche mehrere Freunde mitgebracht haben, die ebenso verschiedene Hildesheimer Schulen besuchen und mit denen er nach Angaben der Staatsanwaltschaft das Mädchen gemeinsam vergewaltigt haben soll. Anschließend hätten die Jugendlichen das Mädchen zu weiteren Treffen genötigt – mit der Drohung, man besitze Fotos von der Vergewaltigung und werde diese veröffentlichen, wenn das Mädchen sich nicht füge.

Der geschilderte Fall bestätigt die Praxiserfahrungen von Zartbitter Köln. In Auswertung unserer Langzeitbeobachtung bekannter Kinder- und Teenchaträume des Internets wiesen die MitarbeiterInnen von Zartbitter Köln schon vor einem Jahr darauf hin, dass sexuelle Gewalt in Chaträumen oftmals von jugendlichen Tätern verübt wird (siehe „Sexueller Missbrauch in den Chaträumen des Internets“ unter www.zartbitter.de).
In den letzten Monaten führten wir Workshops in mehr als 20 Klassen des 7. Schuljahres verschiedener Schulen sowohl in ländlichen Gegenden als auch in Köln durch. Die Berichte der Mädchen und Jungen über ihre Chaterfahrungen und der Fachaustausch mit Mitarbeitern der offenen Jugendarbeit bestätigten unsere Beobachtungen:

In Chaträumen gibt es keine soziale Kontrolle, so dass viele Jugendliche diese Räume nutzen, um sexuelle und verbale Aggressionen auszuagieren, die im realen Leben durch die soziale Kontrolle von Müttern, Vätern, Pädagoginnen und Pädagogen begrenzt werden. Im Chat durch Gewalttätigkeiten „Leute verarschen“, betrachten nicht wenige Jugendliche als Scherz. Schüler und Schülerinnen berichteten von einer Eskalation der Gewalt: “Im Chat kann man so einem A... keine knallen. Dann beschimpft man so‘n Typen halt ... und irgendwann machen sich alle zur Sau oder labern sich mit Sauereien zu!“

Während sich Eltern oftmals beruhigt glauben, dass ihre Töchter und Söhne „nur mit ihren Klassenkameraden und Freunden chatten“ und dank der neuen Technik die Telefonrechnung sinkt, berichteten viele Jugendliche, dass gerade in den lokalen Chats „voll die Gemeinheiten laufen!“
Klassenkameraden nutzen z.B. die Technik, um die Köpfe von Mitschülerinnen und Mitschüler auf pornografische oder andere beschämende Bildmaterialien zu montieren. Oder sie nehmen ihre Opfer in sehr beschämenden Situationen mit dem Fotohandy auf (z.B. Fotohandy wird unter dem Spalt der Toilettentür hindurchgeschoben). Anschließend wird dieses Bildmaterial per Internet in der Schulöffentlichkeit präsentiert.

Mehrfach berichteten Kinder und Jugendliche gegenüber Zartbitter, dass es durchaus keine Seltenheit ist, dass „Freundinnen“ und „Freunde“, die das Passwort anderer Jugendlicher kennen, dieses nutzen, um unter deren Nickname (Fantasiename) zu chatten und so den wahren Besitzer des Nicknamen durch Intrigen und obzöne Aktionen in peinliche Situationen bringen.

Wenn du selbst im Chat unfair behandelt wirst oder beobachtest, dass ein anderes Mädchen oder ein anderer Junge mies behandelt wird, so ist es nicht feige, sondern mutig, andere Kinder und Jugendliche oder Erwachsene um Unterstützung zu bitten.

Dem Internet messen Jugendliche heute bereits eine größere Bedeutung zu als dem Fernsehen. Nahezu alle Schülerinnen und Schüler, die an Zartbitter-Workshop teilnahmen, hatten die Möglichkeit der Internetnutzung. Vermuteten die MitarbeiterInnen von Zartbitter zunächst, dass vor allem Mädchen chatten, während sich die Jungen voll und ganz in Internetspiele vertiefen, so wurden sie eines besseren belehrt. Laut Auskunft eines Mitarbeiters von knuddels.de, einem der beliebtesten Chaträume im deutschsprachigen Raum, sind 43% der kindlichen und jugendlichen Chatter Jungen. Berichte von Fachkräften der Jugendarbeit bestätigten, das insbesondere Jungen ab der Pubertät sich für den vermeintlichen „Weiberkram Chat“ interessieren und vor allem lokale Chaträume besuchen.

Das Zartbitter-Präventionsprogramm „click it!“ macht nicht nur die sexuelle Ausbeutung durch Fremdtäter im Chat zum Thema, sondern vermittelt auch Regeln für einen fairen Umgang im Netz.


Chatiquette
Gehe mit deinen Chatfreundinnen und –freunden fair um!
Ebenso kannst du von deinen Chatfreunden Fairness erwarten. Diejenigen, die sich unfair verhalten, sind keine wirklichen Freundinnen und Freunde.

Es ist unfair, wenn ein Chatter oder eine Chatterin,

persönliche Informationen (z.B. Name, Alter, Telefonnummer und Passwort) von anderen an Dritte weitergibt – ganz gleich, ob sie/er jemanden mag oder nicht,

sich mit dem Passwort eines anderen unter dessen Nick einloggt,

das Foto eines anderen im Computer verändert und anschließend ins Netz stellt oder an andere weitergibt,

im Chat andere beschimpft, beleidigt, bedroht oder mit Worten oder Bildern sexuell belästigt.

Wenn du selbst im Chat unfair behandelt wirst oder beobachtest, dass ein anderes Mädchen oder ein anderer Junge mies behandelt wird, so ist es nicht feige, sondern mutig, andere Kinder und Jugendliche oder Erwachsene um Unterstützung zu bitten.

aus „click it!“ für Mädchen und Jungen ©Zartbitter Köln 2005

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