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Sexueller Missbrauch von Jungen im Sport

"Platzverweis"

Zartbitter stellt die ersten deutschsprachigen Präventionsmaterialien gegen sexuellen Missbrauch von Jungen im Sport vor

Eine allgemein bekannte Tatsache: Viele pädosexuelle Täter engagieren sich gezielt im Sport, um so ohne großen Aufwand mit potenziellen Opfern in Kontakt zu kommen. Es wundert deshalb nicht, dass bei Zartbitter sehr häufig Fälle der sexuellen Ausbeutung von Jungen durch Trainer, Bademeister, Gerätewarte, Sportlehrern und älteren Jugendlichen im Sport bekannt werden. Zu unserem Entsetzen müssen wir feststellen, dass auch heute noch Sportvereine fast durchgängig den Schutz von Jungen vernachlässigen, die Aussagen der Opfern anzweifeln und sich häufig auf die Seite von Tätern stellen, in dem sie "die Angelegenheit unter den Teppich kehren". Nach dem Motto, sexueller Missbrauch wird erst zum Problem, wenn er benannt wird, übersehen die meisten Sportfunktionäre, dass Missbrauch im Sport vor allem dann zum Problem wird, wenn über die Problematik geschwiegen und keine Präventionsarbeit geleistet wird. Solange die Sportwelt schweigt, wird der Sportbereich seine Funktion als "Mistbeet für Täter", in dem diese ohne großes Risiko Jungen missbrauchen können, nicht überwinden. Und werden einzelne ihrer Taten bekannt, so wechseln sie halt zum nächsten Verein.

Über das große Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Jungen im Sport wird bis zum heutigen Tage geschwiegen. Es ist z.B. kaum zu glauben, dass bis heute kein Sportverband in Deutschland Materialien gegen Missbrauch von Jungen im Sport entwickelt hat. Lediglich die Landessportjugend NRW veröffentlicht auf ihrer Homepage allgemeine Texte über Missbrauch an Jungen, die sie u.a. von Zartbitter übernommen hat.

Anlässlich der durch die Fußballweltmeisterschaft verstärkt ausgelösten riesigen Sportbegeisterung von Jungen hat Zartbitter nun die ersten deutschsprachigen geschlechtsspezifischen Materialien zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch von Jungen im Sport entwickelt. Die Broschüre "Platzverweis!" gibt Jungen ab dem 8. Lebensjahr und ihre Eltern Tipps gegen sexuelle Übergriffe gegen Jungen im Sport, der Cartoon "Platzverweis" fordert Jungen und Erwachsene zu solidarischem Handeln gegen sexuellen Missbrauch auf. Zudem informiert Zartbitter über die typischen Strategien von Tätern im Sportbereich.

Am unteren Ende dieser Seite finden Sie die Broschüre und den Cartoon "Platzverweis" zur Ansicht als PDF-Download

Sexueller Missbrauch von Jungen im Sport

Kommt in einer Runde von mehr als vier erwachsenen Männern der sexuelle Missbrauch von Jungen zur Sprache, so dauert es häufig nicht lange, bis zumindest einer von ihnen berichtet, dass in seiner Kindheit oder Jugend in seinem Heimatort hinter vorgehaltener Hand vor der sexuellen Anmache eines Trainers gewarnt wurde. Er selbst habe das zwar nicht erlebt, aber… .

Eine allgemein bekannte Tatsache: Viele pädosexuelle Täter engagieren sich gezielt im Sport, um so ohne großen Aufwand mit potenziellen Opfern in Kontakt zu kommen (vgl. z.B.: Enders 2004). Es wundert deshalb nicht, dass bei Zartbitter Köln nunmehr seit fast zwanzig Jahren regelmäßig Fälle der sexuellen Ausbeutung von Jungen durch Trainer, Bademeister, Gerätewarte, Sportlehrer und ältere Jugendlichen im Sport bekannt werden. Als Antwort auf die starke Beratungsnachfrage von Jungen im Grundschulalter und männlichen Jugendlichen, die im Sportbereich sexuelle Grenzverletzungen bis hin zu massivem sexuellen Missbrauch erlebt hatten, entwickelte Zartbitter bereits im Jahre 1992 den Cartoon "Der Mistkerl" über die sexuelle Ausbeutung eines Fußballtrainers, der bis zum heutigen Tage in der Präventionsarbeit mit männlichen Jugendlichen genutzt wird.

Während in anderen Bereichen das öffentliche Bewusstsein gegenüber der sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen gewachsen ist und z.B. auch das Frauenministerium NRW bereits in den 90er Jahren eine viel beachtete wissenschaftliche Studie über sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen in Auftrag gab, ist der Missbrauch von Jungen im Sport bis zum heutigen Tage ein Tabuthema. Sicherlich: Betroffene Jungen und ihre Eltern suchen immer häufiger Beratungsstellen auf und bitten um Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen der belastenden Missbrauchserfahrungen, doch weder die Sportvereine noch andere Jugendverbände, die sportliche Aktivitäten anbieten, setzen sich mit der Problematik auseinander. Mit Entsetzen muss Zartbitter feststellen, dass auch heute noch Sportvereine fast durchgängig den Schutz von Jungen vernachlässigen, die Aussagen der Opfer anzweifeln und sich häufig auf die Seite von Tätern stellen, in dem sie "die Angelegenheit unter den Teppich kehren". Nach dem Motto "Nur keine schlafenden Hunde wecken" und den Ruf des Vereins/der Institution beschädigen, meinen viele Funktionäre, sexueller Missbrauch würde erst dadurch zum Problem, dass er im konkreten Fall benannt wird, Dabei übersehen die meisten Sportfunktionäre und Leitungen von Institutionen, dass Missbrauch im Sport vor allem dann zum Problem wird, wenn über die Problematik geschwiegen und keine Präventionsarbeit geleistet wird. Solange die Sportwelt schweigt, behält der Sportbereich seine Funktion als "Mistbeet für Täter", in dem diese ohne großes Risiko Jungen missbrauchen können. Und werden ausnahmsweise mal einzelne Taten bekannt, so wechseln die Täter meist ohne große Probleme zum nächsten Verein.

Über das große Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Jungen im Sport wird bis zum heutigen Tage geschwiegen. Es ist z.B. kaum zu glauben, dass bis heute kein Sportverband in Deutschland Materialien gegen Missbrauch von Jungen im Sport entwickelt hat. Lediglich die Landessportjugend NRW veröffentlicht auf ihrer Homepage allgemeine Texte über Missbrauch an Jungen, die sie u.a. von Zartbitter übernommen hat. In Kürze will sie eine Broschüre über mögliche Reaktionsweisen in Vereinen auf die sexuelle Ausbeutung von Jungen herausbringen und durch ein Plakat auf die Problematik aufmerksam machen.

Anlässlich der durch die Fußballweltmeisterschaft verstärkt ausgelösten riesige Sportbegeisterung von Jungen hat Zartbitter nun unter dem Titel "Platzverweis" die ersten deutschsprachigen geschlechts-spezifischen Materialien zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch von Jungen im Sport entwickelt. Als erste Bausteine der Kampagne erscheinen eine Broschüre und ein Cartoon, die sich sowohl an Jungen der Altersgruppen 8-14 Jahre als auch an deren Eltern richten (siehe Beschreibung der inhaltlichen Konzeption). Mutter und Väter sollen eine Hilfestellung bekommen, wie sie ihre Söhne über die Gefahr der sexuellen Ausbeutung im Sport informieren und deren gesundes Misstrauen stärken können, ohne dass ihnen der Spaß am Sport vermiest wird. Zudem informiert Zartbitter über die Strategien der Täter im Sport und skizziert die Möglichkeiten von Vereinen, sich vor Tätern in den eigenen Reihen zu schützen (unter www.zartbitter.de).

In den letzten zwei Jahren haben die Medien Zartbitter sehr unterstützt und Schritt für Schritt einzelne Bausteine der inzwischen im gesamten deutsprachigen Raum erfolgreichen Zartbitter-Kampagne „click it!" gegen sexuellen Missbrauch im Internet berichtet.
Nachdem die Sportverbände trotz der jahrelangen öffentlichen Diskussion über sexuellen Missbrauch immer noch verweigern, einen Beitrag zur Prävention von sexueller Ausbeutung von Jungen zu leisten, würden wir uns sehr freuen, wenn wir von den Medien die gleiche Unterstützung für unser Projekt „Platzverweis“ bekommen würden. Wir hoffen, dass es so endlich gelingen wird, einen Beitrag zum Schutz von Jungen vor Missbrauch im Sportbereich zu leisten.


Fakten und Formen der sexuellen Ausbeutung von Jungen im Sport

Bis zum heutigen Tage gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung über das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Jungen im Sport. Der Beratungsalltag von Zartbitter Köln macht jedoch deutlich, dass Jungen im Sport vorrangig von männlichen Tätern sexuell ausgebeutet werden.
Ging man vor einigen Jahren noch davon aus, dass die Täter meist Erwachsene waren, so wird in den letzten Jahren ebenso das große Ausmaß sexueller Gewalt gegen Jungen durch ältere jugendliche Täter und Gleichaltrige deutlich.

Die Formen der sexuellen Ausbeutung unterscheiden sich nicht von denen in anderen Lebensbereichen. Sie reichen von exhibitionistischen Handlungen, über Formen der oralen und analen Vergewaltigung bis hin zur Produktion von kinderpornografischen Produkten. Nicht selten werden in einem Missbrauchsszenario Jungen dazu überredet oder mit Gewalt dazu gezwungen, sich gegenseitig sexuelle Gewalt zuzufügen. Nicht selten werden diese Handlungen per Video festgehalten und das Schweigen der Opfer mit dem aufgezeichneten Bildmaterial erpresst.
In den letzten Monaten fällt auf, dass auch im Sport ebenso wie in anderen Lebensbereichen von Kindern und Jugendlichen die sexistische Diffamierung von Gleichaltrigen im Internet und Handygewalt zunehmen: Sexuelle (Gewalt-)Handlungen und andere beschämende Situationen (z.B. auf der Toilette) werden mit dem Handy fotografiert und weitergesimst bzw. ins Internet gestellt. Unter Kindern und Jugendlichen gelten solche Gewalthandlungen oftmals als Scherz, auch wenn sie für die Opfer alles andere als witzig sind.

Sexuelle Ausbeutung von Jungen im Sport findet nicht nur in Vereinen statt, sondern ebenso in Schulen, Jugendzentren und in anderen Jugendverbänden (z.B. in der Fußballmannschaft der Pfarrgemeinde).

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Die Strategien der Täter im Sport

Sexuelle Gewalt beginnt im Kopf
Die Täter bereiten ihre Taten systematisch vor


Täter nehmen gezielt Kontakt zu Mädchen und Jungen auf und entwickeln im Laufe der Jahre mit immer größerer “Perfektion” Strategien, um Kontakt mit Kindern und Jugendlichen aufzunehmen, ihre Opfer auszuwählen, die Wahrnehmung der Umwelt zu vernebeln, die Opfer zu verführen und zum Schweigen zu bringen.
Der Sportbereich hat ein besonders hohes Risiko, zum Tatort zu werden. Nicht nur, dass Täter sich im Sport durch ein besonderes Engagement sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern leicht einschleimen können, erste sexuelle Übergriffe können Täter und Täterinnen auch leicht als Hilfestellung oder Hygienemaßnahmen verschleiern.
Die Analyse der für den Sportbereich typischen Täterstrategien hilft nicht nur in konkreten Einzelfällen, die sexuelle Ausbeutung von Jungen früher zu erkennen, sie ist zugleich die Voraussetzung für die Entwicklung eines allgemeingültigen Regelwerks, über das u.a. präventive Strukturen in Sportvereinen aufgebaut werden.
Die Erkenntnis, dass erste sexuelle Grenzverletzungen z.B. nicht selten während gemeinsamer Schlafsituationen von Trainern und kindlichen Sportlern stattfinden, muss z.B. zu der Regel führen, dass es Trainern untersagt wird, mit Jungen in einem Raum zu schlafen. Über diese Regel sollten alle Jungen und Eltern bei der Anmeldung von Kindern und Jugendlichen in Sportvereinen informiert werden.

Kontaktaufnahme der Täter zu Opfern¶

Täter/Täterinnen versuchen auf verschiedene Arten mit Kindern in Kontakt zu kommen, -
z.B. durch:

  • ehrenamtliches oder hauptamtliches Engagement - z.B. als Trainer oder Gerätewart in einem Sportverein, Bademeister im Hallenbad, Sportlehrer in einer Schule, Fußballtrainer in der Pfarrgemeinde
  • Aufsuchen von Sportstätten ( z.B. Schwimmbad) “Meine Kontakte knüpfe ich im Sommer vor allem im Schwimmbad, in Parks, Discos oder an typischen Treffpunkten Jugendlicher” ( zit. n. Leopardi 1988, 140 ).
  • bereits missbrauchte Jungen als “Schlepper” einsetzen - d.h.: Jungen, die sie zuvor missbraucht haben, werden dafür bezahlt/bekommen Privilegien (z.B. Bevorzugung bei der Mannschaftsaufstellung) oder mit Gewalt gezwungen, ihre Freunde oder jüngere Jungen „anzuschleppen“.

Erfahrungen von Zartbitter Köln und eine von Michelle Elliot durchgeführte Studie bestätigen diesen Zusammenhang ( 18% der von Elliot befragten Täter versuchten, über die von ihnen missbrauchten Kinder an weitere Opfer zu kommen) ( Elliot 1995, 579 ff. ).

Auswahl der Opfer

Nach einer ersten Kontaktaufnahme mit einem potentiellen Opfer sondiert ein Täter erst einmal dessen Widerstandsfähigkeit. Erfahrungsberichte aus der Pädosexuellenszene (z.B. Brongersma 1991, Leopardi 1988 ), der Täterforschung ( Conte u.a. 1989, Elliot 1995, Lautmann 1994 ) als auch Berichte aus der Praxis der Tätertherapie ( z.B. Wyre/Swift 1991 ) und der Beratungsalltag von Zartbitter Köln belegen übereinstimmend, dass Täter/Täterinnen gezielt möglichst widerstandsgeschwächte Jungen suchen. Dies sind keineswegs nur Jungen aus benachteiligten Familien, sondern ebenso

  • Jungen, deren Mütter und Väter davon überzeugt sind, dass ihre Söhne sicherlich niemals missbraucht werden. Haben ihre Eltern eine präventive Erziehung vernachlässigt, so haben Jungen kein gesundes Misstrauen entwickelt, nehmen die ersten sexuellen Grenzverletzungen nicht bewusst als solche wahr und können somit leicht von Tätern Schritt für Schritt in eine missbräuchliche Beziehung verwickelt werden.
  • Jungen, die eine repressive Sexualerziehung erhielten. Alle Jungen interessieren sich für sexuelle Themen. Erleben sie im Elternhaus kein offenes Gespräch über sexuelle Fragestellungen (z.B. Selbstbefriedgung), so sind sie von Tätern leicht über eine als Aufklärung oder „lockeren Umgang mit Sexualität“ getarnte Strategie verführbar.
  • Jungen, die gelernt haben, dass sie Erwachsenen nicht widersprechen sollen. Diese Kinder wagen kaum ein klares “Nein” gegenüber Erwachsenen.
  • emotional vernachlässigte Jungen, denn diese sehnen sich so sehr nach Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit, dass sie Tätern leichter auf den Leim gehen. Zu dieser Gruppe zählen nicht nur Kinder von aus der Sozialarbeit bekannten “Problemfamilien”, sondern auch Wohlstandswaisen, die zwar volle Spielzimmer und Terminkalender haben, für deren Nöte und schönen Erlebnisse die Erwachsenen jedoch kaum Anteilnahme zeigen - sich keine Zeit nehmen.

Nach der Kontaktaufnahme mit potentiellen Opfern wenden Täter immer wieder “Testrituale” an, um abzuklären, die Widerstandsfähigkeit des potentiellen Opfers zu prüfen und dessen Wahrnehmung zu vernebeln. Protestiert ein Junge, so ist er aus Tätersicht “kein geeignetes Opfer”. Viele widerstandsfähige Jungen brechen nach diesen ersten Übergriffen den Kontakt zum Täter ab - geben z. B. das Training auf und verzichten auf den sportlichen Erfolg ( “drop-out-syndrom” ). Bei Kindern, die weiterhin den Kontakt halten, bereiten die Täter den Missbrauch systematisch weiter vor.

Typische Testrituale sind u.a.:

  • scheinbar “zufällige” sexuelle Berührungen (z. B. von Hilfestellungen oder „Tobespielen“) “Da habe ich einen in der Badeanstalt getroffen, der mir die Badekappe geklaut hat. Ich lief hinter ihm her und habe ihn gepackt. Er hat sich hochwerfen lassen, und ich habe ihn auch berührt an seinem Geschlechtsteil” ( zit. n. Lautmann 1994).
  • scheinbar “zufällige” sexuelle Grenzüberschreitungen ohne Körperkontakt (z.B. exhibitionistische Handlungen oder „beim Duschen auf den Penis glotzen“)
  • als Pflege getarnte sexuelle Grenzüberschreitungen (z.B. sexuelle Grenzüberschreitungen bei Massagen oder als Körperpflege getarnte Manipulation des Genitals des Jungen beim Duschen: „ich zeig dir mal, wie man die Vorhaut reinigt!“ )
  • verbale sexuelle Übergriffe (sexistische Bemerkungen über Jungen oder Dritte: z.B. Jungen nach sexuellen Erlebnissen ausfragen, Witze über die Länge des Penis machen, abfällige sexistische Äußerungen über die Mutter des Jungen oder über andere Jungen oder Mädchen machen)
  • “Aufklärung” unter Einbeziehung von Pornografie Pornographie dient vielen Tätern dazu, potentielle Opfer zu desensibilisieren. Nicht selten zeigen Täter Jungen auch kinderpronografische Produkte und vermitteln so die Botschaft: “Viele Jungen machen das. Das ist normal!”
  • im Rahmen von Gruppenritualen stattfindende sexuelle Übergriffe Missbraucher, die in Sportgruppen ihre Opfer suchen, führen oftmals Aufnahmerituale ein und/oder nutzen die von ihnen beeinflußte Gruppendynamik, um die Widerstandskraft von Jungen zu testen und widerstandsfähige Kinder und Jugendliche zu “vergraulen”.

Auf einem Trainingswochenende initiiert der Trainer „Flaschendrehen“. Jeder, der eine Aufgabe nicht löst, muss ein Kleidungsstück ablegen – bis die meisten gänzlich entkleidet sind. Der Trainer beteiligt sich an dem Spiel und gibt “Qualitätsurteile” über die körperliche Reife der einzelnen Jungen.

“Einen wichsen” bedeutet für eine Gruppe u.a., neuen Mitgliedern unter dem Gespött der anderen die Hosen runterziehen, die Hoden bzw. den Po mit schwarzer Schuhcreme einzureiben

Die Wahrnehmung der Umwelt vernebeln

Fast alle Täter versuchen, die Wahrnehmung der Umwelt zu vernebeln, indem sie z.B

  • sich mit den Eltern des Kindes anfreunden, um einen guten Eindruck zu machen.
  • über kostenlose Trainingsangebote und finanzielle Unterstützungen Abhängigkeiten schaffen.

Die Verführung des Opfers

Täter und Täterinnen verführen z. B. durch:

Überredung

emotionale Zuwendung
indem sie sich z.B. besonders viel Zeit für einzelne Jungen nehmen, die Probleme mit ihren Eltern oder Freunden haben

Geschenke (z.B. Geld, Sportkleidung)

Bevorzugung (z.B. Bevorzugung bei der Mannschaftsaufstellung)

Jungen wie Erwachsene behandeln und ihnen Dinge erlauben, die eigentlich verboten sind
(z.B. Alkohol geben, sich über die Regeln der Eltern/des Vereins hinwegsetzen)

Tatort und Zeitpunkt wählen

Täter/Täterinnen im Sportbereich verbringen häufig sehr viel Zeit mit Jungen und kennen deshalb deren Tagesablauf sehr genau. Es bedarf von ihnen keiner besonderen Mühe, einen Tatort und Zeitpunkt zu wählen, in dem sie unbeobachtet einen Jungen missbrauchen können. Oftmals geschieht das Verbrechen innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne – weniger Minuten -, so dass die Umwelt sich nicht vorstellen kann, dass “so etwas” überhaupt möglich war ( “Das hätte ich doch mitbekommen!”). Täter/Täterinnen inszenieren sehr geschickt Zeitabläufe und verändern in einzelnen Fällen sogar örtliche Gegebenheiten, damit sie „ungestört“ Jungen sexuell ausbeuten können (setzen z.B. ein Einzeltraining an, bauen in einen Raum ein Schloß ein, das nur von innen geöffnet werden kann).

Den Widerstand des Opfers ignorieren

z.B. über nonverbale Abwehrhaltungen eines Opfers hinweggehen, bis hin zur Ausnutzung ihrer körperlichen Überlegenheit

Die Wahrnehmung des Opfers vernebeln

• Verwirrung

Ein Opfer berichtet:
“Dabei hat er einfach angefangen, mich zu streicheln, und dann kam es eben so weit, dass er meinen Penis gestreichelt hat, und ich musste seinen Penis streicheln. Er hat einfach meine Hand genommen und auf seinen Penis gelegt und gesagt, ich solle das machen. Ich kann mich noch verblüffend genau an die Gefühle erinnern, die ich hatte. Es war zum einen eine große Verwirrung, weil ich überhaupt nicht einordnen konnte, was passiert ist. Ich war damals nicht aufgeklärt, wurde auch später nicht aufgeklärt. Zum anderen hat es mich auch angeekelt und mir Angst gemacht. ...”

• Missbrauch als Strafe darstellen

“Wenn einer von uns sich zum Sportunterricht verspätete, dann musste er vor der gesamten Klasse die Hose runterlassen und unser Sportlehrer spritzte “zur Strafe” seinen Penis mit einem eiskalten Wasserstrahl ab” (Stephan, 25 Jahre, zit. n. Enders ebd. ).

• Drogen, Alkohol, Tabletten und Hypnose
Jungen zum Konsum von Alkohol und Drogen überreden bzw. sie unter Tabletten oder Hypnose setzen, um sie leichter missbrauchen zu können. Oftmals trauen die Jungen anschließend ihrer eigenen Erinnerung nicht mehr.

Dem Opfer ein Redeverbot auferlegen

den Missbrauch zum “gemeinsames Geheimnis” erklären
( z.B. den Missbrauch als Privileg des Jungen darstellen)

dem Opfer eine aktive Beteiligung einreden
(z.B. dem Jungen einreden, er habe den Missbrauch selbst gewollt. Als Beweis der aktiven Beteiligung des Opfers dessen Erektion anführen, die häufig allein aufgrund der Manipulation des Glieds entsteht oder eine Angstreaktion ist, die z.B. auch viele Soldaten im Kampf haben.)

Das Opfer erpressen

Erpressung durch Schikane
Z.B. die gesamte Mannschaft schikanieren, wenn sich der Junge zur Wehr setzt, damit das Opfer das nächste Mal dem Drängen des Täters nachgibt um der Mannschaft die Schikane zu ersparen

Erpressung mit angeblichem Fehlverhalten des Opfers

Ein Trainer legt oder deponiert regelmäßig größere Geldbeträge in den Umkleidekabinen – so als ob jemand Geld vergessen hätte. Sehr genau beobachtet er, welches Kind die Beträge findet und nicht bei einer offiziellen Stelle abgibt. Dieses Kind konfrontiert er dann mit dem “Diebstahl” und bietet ihm an, diesen “zu vergessen”, wenn es ihm einen “Gefallen tue”.

Erpressung mit Vergünstigungen und der Erfüllung grundlegender Bedürfnisse des Jungen
Z.B. Zuwendung, wenn der Junge andere Probleme hat, oder Extra-Training, besondere Fußballschuhe, Bevorzugung bei der Mannschaftsaufstellung

Drohungen

Androhung von Folgen für das Opfer
z.B. androhen:
- herumzuerzählen, der Junge sei schwul,
- würde aus dem Verein geworfen, wenn herauskomme, dass der Junge etwas von ihm wolle

Androhung von Folgen für den Täter/die Täterin
z.B.: er komme ins Gefängnis oder seine Frau würde ihn verlassen, wenn das herauskomme

mehrere Jungen gleichzeitig in Missbrauchshandlungen verwickeln

Immer wieder berichten kindliche und jugendliche Opfer sexueller Gewalt darüber, dass erwachsene Täter/Täterinnen und ältere Jugendliche sie zwangen, sich gegenseitig sexuelle Gewalt zuzufügen. Die betroffenen Jungen schweigen anschließend aus Scham über die “eigenen Taten” oder um sich selbst bzw. ihre Freunde und Freundinnen nicht zu “verraten”. Zartbitter Köln sind auch schon Fälle aus Sportvereinen bekannt geworden, in denen Trainer die von ihnen geforderten sexuellen Handlungen der Jungen untereinander auf Video festgehalten und anschließend mit dem Bildmaterial das Schweigen der Opfer erpreßt haben.

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Zur Konzeption von Platzverweis

Wissen ist Macht!
Die Broschüre "Platzverweis! Tipps für Jungen gegen sexuelle Übergriffe im Sport!" ver-mittelt sowohl männlichen Kindern und Jugendlichen als auch Eltern grundlegende Infor- mationen über die sexuelle Ausbeutung von Jungen im Sport.
Klare Definitionen von Formen sexueller Belästigung und strafrechtlich relevanten Formen sexuellen Missbrauchs mit und ohne Körperkontakt helfen Jungen sexuelle Grenzüber- schreitungen als solche zu erkennen und diese zu benennen. Die Broschüre räumt mit dem Vorurteil auf, dass nur Mädchen vergewaltigt werden können und gibt durch sehr sachliche Beschreibungen von Formen sexueller Gewalt betroffenen Jungen Beispiele, wie sie das ihnen zugefügte Verbrechen benennen können. Mütter und Väter können die Broschüre gemeinsam mit ihren Söhnen lesen und bekommen so eine Hilfestellung, um mit ihren Kindern über das bisher tabuisierte Thema zu sprechen.

Korrektur der von Tätern verwirrten Norm
Die Figur eines kleinen Trillerpfeifenmännchens nimmt wie ein Schiedsrichter zu den Aussagen der Broschüre Stellung. Sie kommentiert z.B. sexuelle Belästigung durch Blicke unter der Dusche mit der Feststellung: "Glotzen verboten!" Bei eindeutigen strafrechtlichen Formen sexuellen Missbrauchs fordert das Trillerpfeifenmännchen "Sperre –lebenslang!"
Unterstrichen werden die Bewertungen der Trillerpfeife durch zusammenfassende Merksätze – z.B.: "Niemand darf dich bedrohen, dir Angst machen, dich erpressen oder zu sexuellen Handlungen überreden."
Durch ihre klaren Aussagen setzt die Broschüre ein deutliches Gegengewicht zu der von Tätern systematisch betriebenen Verwirrung kindlicher Normvorstellungen. Diese versuchen oftmals ihren Opfern wie bei einer Gehirnwäsche systematisch einzureden, dass sexueller Missbrauch von Kindern normal sei. Dieser Täterstrategie setzt "Platzverweis" klare Aussagen entgegen und untermauert diese durch Information über gesetzliche Regelungen.

Information über sexuelle Gewalt durch gleichaltrige und ältere Jugendliche
In vielen Jungengruppen – auch im Sportbereich – herrscht unter den Jugendlichen eine Kultur der sexuellen Grenzverletzungen. Nicht selten sichern einige wenige Anführer durch die Ausübung sexueller Gewalt ihre Stellung innerhalb der Gruppe. Viele Jungen sind damit nicht einverstanden, geben sich nach außen hin jedoch cool und tun so, als ob ihnen dies nichts ausmache. So hoffen sie, weiteren Schikanen zu entgehen. Einige machen aus Angst vor Repressalien mit.
"Platzverweis" stärkt die Position der Jungen, die mit der Ausübung sexueller Gewalt nicht einverstanden sind und fordert diese zur Solidarität untereinander auf. Damit leistet die Broschüre "Platzverweis" auch einen Beitrag zur Täterprävention.

Die Tricks der Täter durchschauen
Oft ist es schwer, die Tricks der Täter zu checken. "Platzverweis" informiert über die typischen Tricks von Tätern im Sportbereich. Diese Informationen erleichtert es Jungen und Eltern die Tricks der Täter in vielen Fällen schon in den Anfängen zu erkennen und die sexuellen Übergriffe zu stoppen. betroffenen Jungen hilft es im Nachhinein, die Gemeinheit der Täter zu durchschauen.. Der Beratungsalltag bei Zartbitter macht immer wieder deutlich, dass klare Informationen betroffenen Jungen Schuldgefühle nehmen. Oftmals glauben die Opfer zunächst, sie hätten freiwillig mitgemacht. Erkennen sie, mit welch hinterhältigen Tricks Täter sie reingelegt haben, können sie leichter die Schuld dahin zurückgeben, wo sie hingehört – zum Täter.

Unterstützung für betroffene Jungen
Kinder und Jugendliche haben große Chancen, sexuelle Gewalterfahrungen zu verarbeiten, wenn sich ihre Vertrauenspersonen auf ihre Seite stellen und nachvollziehen können, wie es ihnen geht. Allzu großes Mitleid hilft ihnen weniger als eine ruhige Unterstützung, die auf einem Verständnis ihrer Reaktionsweisen basiert.
Die Broschüre "Platzverweis" informiert über typische Konflikte und Belastungen betroffener Jungen und zeigt Möglichkeiten auf, wo sie Hilfe finden können, denn – so die Botschaft: Sich Hilfe holen ist nicht feige, sondern mutig!

Solidarität der anderen Jungen und der Eltern
Der Cartoon "Platzverweis" ist ein zweiter Baustein für die Prävention gegen die sexuelle Ausbeutung von Jungen im Sport. Er gibt ein Beispiel, wie Sportkameraden und Eltern einem betroffenen Jungen, der vom Fußballtrainer begrapscht wird, solidarisch zur Seite stehen.
Dieses Material nimmt vor allem Mütter und Väter in die Pflicht, sich aktiv für die Opfer einzusetzen und Tätern Grenzen zu setzen. In dem Cartoon stellen sich die Eltern ihrer Verantwortung und setzen einen klaren Platzverweis des Trainers durch.

Broschüre und Cartoon können gegen 2.-€ in Briefmarken bei Zartbitter Köln, Sachsenring 2-4, 50677 Köln bestellt werden. Größere Stückzahlen gegen Unkostenbeitrag. Bestellbedingungen unter www. zartbitter.de

Interner Link

Platzverweis Comic.pdf (736KB)

Platzverweis Broschüre (1MB)

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