Zartbitter e.V.
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Fachinformationen


Die Spitze des Eisbergs – Missbrauch in Institutionen

Das Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen und die Kultur des Wegschauens sind weitaus größer als bisher bekannt wurde.

Seit fast 20 Jahren arbeitet Zartbitter Köln schwerpunktmäßig zur Problematik der sexuellen Ausbeutung von Mädchen und Jungen in Institutionen. Ursula Enders, Leiterin und Mitbegründerin von Zartbitter Köln, wurde Anfang der 90er Jahre damit konfrontiert, dass ihr ehemaliger Kollege während ihrer gemeinsamen ehrenamtlichen Tätigkeit beim Kinderschutzbund massiven Missbrauch von Jugendlichen betrieben hatte. Der Täter wurde zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Auseinandersetzung mit der Frage, warum sie dass missbräuchliche Verhalten des Kollegen nicht wahrgenommen hatte, ließen Ursula Enders erkennen, dass die Prävention von sexuellem Missbrauch eine intensive Auseinandersetzung mit den Strategien der Täter und Täterinnen und institutionellen Strukturen, die Missbrauch begünstigen, voraussetzt.
Zartbitter hat als Antwort auf die Problematik in den letzten 20 Jahren nicht nur Konzepte der Hilfe für betroffene Institutionen, sondern auch Konzepte der Implementierung präventiver Strukturen in Institutionen entwickelt. (unter www.zartbitter.de: „Traumatisierte Institutionen“, „Grenzen achten“, „Kultur der Grenzachtung“, „Institutionelle Strukturen, die Missbrauch begünstigen“)

Schulen, Institutionen der Jugendhilfe und Sportverbände sind im gleichen Ausmaß Tatort sexueller Ausbeutung durch erwachsene und jugendliche Täter/Täterinnen wie die Kirche. Die Fokussierung der öffentlichen Debatte auf Missbrauchsfälle durch Priester der katholischen Kirche und Lehrer an Eliteinternaten trägt zu einer weiteren Tabuisierung des großen Ausmaßes von sexueller Ausbeutung in anderen Institutionen bei.

Die Erfahrungen von Zartbitter Köln in der Beratungsarbeit von Betroffenen in mehreren Hundert Fällen sexueller Ausbeutung in Institutionen, macht deutlich, dass viele Fälle sexueller Gewalt im schulischen Kontext, in Sportvereinen und in Einrichtungen der Jugendhilfe (Kitas, stationäre Einrichtungen, Jugendzentren, …) verübt. Nach den Sommerferien melden sich zum Beispiel „saisonbedingt“ regelmäßig betroffene Mädchen und Jungen, die sexuelle Übergriffe auf Ferienfreizeiten gemeinnütziger oder auch kommerzieller Anbieter durch erwachsene und jugendliche Täter/Täterinnen erlebten.
Ein erhöhtes Risiko Opfer sexueller Ausbeutung in Institutionen zu werden, haben Mädchen und Jungen mit Behinderungen.

Die Schulaufsichtsbehörden und Sportverbände haben in der Vergangenheit ebenso wie die Kirchen bis auf wenige Ausnahmen gewalttätige Erziehungs-/Trainingsmethoden und sexuellen Missbrauch vertuscht und die Täter häufig an die nächste Schule versetzt bzw. an den nächsten Verein vermittelt. Ebenso wie die katholische Kirche haben vor allem Schulaufsichtsbehörden in vielen Fällen die Kooperation mit der Polizei und Beratungsstellen vernachlässigt und nach einer von diesbezüglich ungeschulten Juristen durchgeführten Befragung festgestellt, dass „an der Sache nichts dran sei“. Nachdem die katholische Kirche in den letzten Jahren unter öffentlichen Druck geraten ist, ist es aktuell oftmals leichter, einen sexuell übergriffigen und/oder gewalttätigen Priester aus der Seelsorge zu bekommen als einen sexuell übergriffigen und/oder gewalttätigen Lehrer aus dem Schuldienst.

Nicht nur die Kirche, sondern ebenso die Kultus- und Jugendminister der Länder und der Deutsche Olympische Sportverband müssen unabhängige Experten/Expertinnen benennen, bei denen sich Opfer melden können, die sexuellen Missbrauch und gewalttätige Erziehungs-/Trainingsmethoden in Schulen, Jugendhilfe und in Sportvereinen erlitten haben.



Schweigegebot bei Missbrauch in Institutionen:
Kinder und Jugendliche zu sexuellen Handlungen untereinander zwingen.


Zartbitter ist eine Vielzahl an Fällen bekannt, in denen in Institutionen ehren- oder hauptamtlich tätige Täter/Täterinnen, mehrere Kinder und Jugendliche gemeinsam in Missbrauchshandlungen verwickelten und die Mädchen und Jungen dazu manipulierten oder zwangen, sich gegenseitig sexuelle Gewalthandlungen zuzufügen. Dies ist eines der massivsten Schweigegebote, die Täter ihren Opfern auferlegen können: Viele betroffene Kinder und Jugendliche schweigen anschließend, weil sie sich schuldig fühlen oder ihre Freunde nicht „verraten“/belasten wollen.
Die zurzeit in der Öffentlichkeit diskutierten Fälle durch Pädagogen und Geistliche in Eliteinternaten und Knabenchören sind nur die Spitze des Eisberges. Das wahre Ausmaß der sexuellen Gewalt in Institutionen wird erst dann deutlich werden, wenn die ersten Betroffenen darüber berichten, wie sie von Pädagoginnen und Pädagogen manipuliert und gezwungen wurden, anderen Kindern sexuelle Gewalt zuzufügen.

Die Bundesregierung ist bisher ihrer internationalen Verpflichtung zur Entwicklung von Präventionskonzepten gegen sexuelle Ausbeutung in Institutionen nicht nachgekommen.

Nicht nur im Koalitionsvertrag vom 16.10.2002 schrieb die Rot-Grüne-Regierung eine hohe Priorität einer wirksamen Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche fest, sondern ebenso mit der Erarbeitung eines nationalen „Aktionsplans zum Schutze von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung“.
In diesem Aktionsplan verpflichtete die Bundesregierung sich zu Maßnahmen in den Bereichen Intervention, Prävention und Gesetzgebung.
Unter der Familienministerien Ursula von der Leyen wurde eine weitere Umsetzung des Nationalen Aktionsplanes eingefroren, so dass bis zum heutigen Tage die Verpflichtungen zur Vorbeugung von sexuellem Missbrauch in Institutionen nicht eingelöst wurden. Bis zum heutigen Tage wurde zum Beispiel nicht eingelöst:

• die Entwicklung eines Curriculums für ein Weiterbildungskonzept zum Umgang mit sexueller Gewalt durch Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Institutionen,
• die Einführung von Verhaltenskodizes zum Umgang mit sexuellen Übergriffen durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen,
• eine intensivierte Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Kindergärten und Schulen.
• die Verankerung der Problematik in den Ausbildungs- und Studiengängen pädagogischer, medizinischer, therapeutischer , sozialer und juristischer Arbeitsfelder.

Nach heftigen Protesten der Opferberatungsstellen holte das Ministerium im Rahmen von Anhörungen und Arbeitstagungen in den Jahren 2008 und 2009 die Expertise von Praktiker/innen und Wissenschaftler/innen zur Entwicklung von Maßnahmen gegen die sexuelle Ausbeutung von Mädchen und Jungen in Institutionen ein. Umgesetzt wurde bisher jedoch noch keine der vorgeschlagenen Maßnahmen.
Die neue Familienministerin Schröder zu einem Runden Tisch am 23.04.2010, an dem Bischöfe und politisch bedeutsame Persönlichkeiten Platz nehmen sollen. Eine Einladung haben bisher jedoch weder die Opferberatungsstellen noch die Expertinnen bekommen, die seit Jahren zu der Problematik arbeiten.

Zartbitter Köln e.V. hat Konzepte für Bausteine zur Entwicklung schützender Strukturen in Institutionen entwickelt. Informationen über dieses Konzept finden Sie in den Texten "Kultur der Grenzachtung!" und "Prävention von sexuellen Missbrauch in Institutionen" (Links siehe unten).

Interner Link

Kultur der Grenzachtung - Wie Institutionen sich vor Missbrauch in den eigenen Reihen schützen können! (19KB)

Prävention von sexuellem Missbrauch in Institutionen - Bausteine präventiver Strukturen in Institutionen (57KB)

Missbrauch in Institutionen - Die Strategien der Täter und Täterinnen bei Missbrauch in Institutionen (324KB)

Zur Differenzierung zwischen Grenzverletzungen, Übergriffen und strafrechtlich relevanten Formen der Gewalt im pädagogischen Alltag (59KB)

Traumatisierte Institutionen (296KB)

Wenn die Kollegin missbraucht (34KB)

Vermutung/Verdacht - Zur Unterschiedlichkeit der Arbeitsaufträge von Schule/Jugendhilfe/Jugendverbandsarbeit und Strafverfolgungsbehörden (10KB)

abusecommitedbystaffininstitutions.pdf (277KB)

für weiterführende Schulen. Ein Theaterstück gegen Cybermobbing und gegen sexuelle Gewalt im Internet [Mehr]
für Grundschulen gegen sexuellen Missbrauch, Übergriffe und Angstmache [Mehr]
Zum Thema "Missbrauch in der Kirche" finden Sie hier mehr Informationen. [Mehr]
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