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Handbuch gegen sexuellen Missbrauch

Ursula Enders
Kiepenheuer & Witsch


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Zartbitter e.V.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern
im Vor- und Grundschulalter nehmen zu

Zartbitter Köln berät zunehmend in Fällen sexueller Gewalt unter Kindern

Maßnahmen gegen sexuelle Übergriffe unter Kindern müssen in den Koalitionsvereinbarungen der neuen Bundesregierung im Rahmen der Verpflichtung zur Umsetzung des „Nationalen Aktionsplans zum Schutze von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung“ verankert werden.

Während sich bei Zartbitter Köln noch vor einigen Jahren fast ausschließlich Mütter und Väter meldeten, deren Kinder Opfer sexueller Gewalt durch erwachsene oder jugendliche Täter und Täterinnen waren, bitten inzwischen auch zunehmend Eltern um Unterstützung, deren Töchter und Söhne sexuelle Übergriffe durch gleichaltrige oder ältere Kinder im Vor- und Grundschulalter erlebt haben. Die grenzverletzenden Handlungen reichen von erzwungenen oralen Manipulationen („Wenn du das nicht machst, bist du nicht mehr mein Freund!“), über das wiederholte Einführen von Stöcken in den Genitalbereich bis zur Angstmache mit pornografischen Bildern auf dem Handy. In Einzelfällen leiden die Opfer neben den seelischen Belastungen auch unter körperlichen Verletzungen.

Allein in den letzten zwei Monaten beriet Zartbitter Mütter und Väter von mehr als 25 Kölner Mädchen und Jungen, die massive sexuelle Gewalt durch Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren erlebt hatten. Zusätzlich vertrauten sich mehrere von sexuellen Übergriffen betroffene Grundschülerinnen und -schüler den Beraterinnen und Beratern von Zartbitter im Rahmen von Präventionsworkshops an. Die Kinder erlitten sexuelle Übergriffe in der Schule, im Ferienlager, in der Nachbarschaft durch gleichaltrige Mädchen und Jungen oder durch ältere Geschwister in der Familie.
Die starke Zunahme der Beratungsanfragen ist neben einer größeren Sensibilisierung von Müttern und Vätern, Pädagoginnen und Pädagogen auch auf eine stärkere Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen durch die neuen Medien zurückzuführen. Zartbitter beobachtet in den letzten Jahren, dass das in den Medien leicht zugängliche pornografische Bildmaterial zu einer Zunahme sexuell grenzverletzenden Verhaltens unter Kindern beiträgt: Ältere Grundschulkinder, die bereits einen unkontrollierten Medienzugang haben, bewerten die grenzverletzenden Handlungen als normal. Einige Kinder konsumieren pornografische Produkte im Elternhaus, in der Nachbarschaft oder auf dem Handy der Klassenkameraden und reinszenieren die für sie belastenden Bilder im kindlichen Spiel Noch vor 10 Jahren spielten zum Beispiel Mädchen und Jungen im Kindergartenalter nur in Ausnahmefällen orale Praktiken von Erwachsenen nach. Heutzutage vergeht keine Woche, in der nicht mehrere verunsicherte Mütter und Väter bei Zartbitter anrufen und nachfragen, ob orale Berührungen der Genitalien unter Kindern im Vorschulalter altersentsprechend sind. Zartbitter war in den letzten zwei Jahren auch mit Fällen konfrontiert, in denen die sexuellen Übergriffe unter Kindern im Vorschulalter zu Verletzungen führten, die medizinisch behandelt werden mussten.

Was sind sexuelle Übergriffe?
Sexuelle Übergriffe unter Kindern sind sexuelle Handlungen, die wiederholt, massiv und/oder gezielt die persönlichen Grenzen gleichaltriger oder jüngerer Mädchen und Jungen verletzen.
Ein Kind ist sexuell übergriffig, wenn sie/er …
• andere zu sexuellen Handlungen überredet, verführt oder besticht,
• sexuelle Handlungen mit körperlicher Gewalt oder Drohungen erzwingt
• oder andere Kinder wiederholt und/oder gezielt an den Genitalien verletzt.
Einmalige unbeabsichtigte Verletzungen im Rahmen kindlicher Doktorspiele sind noch kein Grund zu allzu großer Besorgnis. Treten jedoch wiederholt Verletzungen auf und missachten Mädchen und Jungen die ihnen bekannten Regeln für Doktorspiele, so ist dieses Verhalten zweifellos als sexuell übergriffig zu bewerten.

Ursachen sexueller Übergriffe unter Kindern
Einige sexuell übergriffige Kinder waren zuvor selber Opfer sexueller Gewalt. Die meisten von ihnen haben diese Gewalterfahrungen jedoch nicht innerhalb, sondern außerhalb der Familie erlebt. So gilt zum Beispiel in Jungenbanden sexuell übergriffiges Verhalten oftmals als „Mutprobe“ – zum Beispiel: jüngere oder schwächere Kinder auf dem Klo belästigen oder mit pornografischen Bildern auf dem Handy schocken.

Keinesfalls ist wiederholt oder gezieltes sexuell übergriffiges Verhalten eine Folge eines zufällig beobachteten Geschlechtsverkehrs. Sexuelle Übergriffe unter Kindern können ein Hinweis auf eigene sexuelle Gewalterfahrungen durch andere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene sein.
Oftmals haben die Verhaltensauffälligkeiten jedoch andere Ursachen. Zum Beispiel:
• zu frühe und emotional überfordernde Konfrontation mit Erwachsenensexualität (zum Beispiel: pornografisches Bildmaterial),
• emotionale Vernachlässigung,
• Zeugenschaft von (häuslicher) Gewalt,
• körperliche Gewalterfahrungen in und außerhalb der Familie,
• Mobbing-Erfahrungen in Kita und Grundschule,
• Vernachlässigung eines grenzachtenden Umgangs zwischen Kindern in pädagogischen Einrichtungen.

Betroffene Mädchen und Jungen sind Opfer. Übergriffige Kinder sind keine „Täter“!

Viele Mädchen und Jungen erleben sexuelle Gewalterfahrungen durch gleichaltrige und ältere Kinder als Ohnmachtserfahrung. Deshalb bezeichnet man von sexuellen Übergriffen betroffene Mädchen und Jungen als Opfer.
Die Bezeichnung übergriffiger Kinder als „Täter“ und die Verwendung des Begriffs „Missbrauch“ schadet sowohl übergriffigen Kindern als auch Opfern. Werden Kinder im Vor- und Grundschulalter als „Täter“ oder „Täterin“ bezeichnet, so führt dies häufig zu massiven Konflikten unter den Erwachsenen. Pädagoginnen und Pädagogen sowie die Eltern der betroffenen und der übergriffigen Kinder sind oftmals so sehr mit gegenseitigen Beschuldigungen beschäftigt, dass sie die Mädchen und Jungen aus dem Blick verlieren und diese ohne Hilfe bleiben. Um derart destruktiven Auseinandersetzungen vorzubeugen, spricht man in Fachkreisen inzwischen durchgängig von „ sexuell übergriffigen Kindern“.


Maßnahmen gegen sexuelle Übergriffe unter Kindern:

Verhandlungspunkt im Koalitionsvertrag der Bundesregierung
Bereits in den 90er Jahren hat Zartbitter auf die Bedeutung der Problematik hingewiesen und problemspezifische Materialien (Lieder, Faltblätter, Bilderbücher, therapeutische Materialien) und Präventionstheaterstücke und Workshops entwickelt. So bietet Zartbitter das Tourneetheaterstück „Ganz schön blöd!“ und die Workshops „Fair ist cool!“ zur Präventionsarbeit an Grundschulen an.
Leider fand das Anliegen von Zartbitter einer Förderung von Modellprojekten zur ambulanten und stationären Therapie mit sexuell übergriffigen Kindern im Vor- und Grundsschulalter auf der bundespolitischen Ebene bisher wenig Gehör. Als NGO-Vertreterin in der Regierungsdelegation der Bundesrepublik Deutschland auf dem Weltkongress gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung in Yokohama 2001 und als NGO-Vertreterin auf dem Folgekongress in Rio de Janeiro 2008 fordert die Zartbitter-Mitarbeiterin Ursula Enders seit Jahren auf Expertenanhörungen des Bundesfamilienministeriums die Förderung von Modellversuchen zur Entwicklung von therapeutischer Hilfen für sexuell übergriffige Kinder im Vor- und Grundschulalter. Leider hat das Bundesministerium für Familie und Jungend in der Vergangenheit nur Maßnahmen zur Arbeit mit jugendlichen Tätern gefördert. In den nächsten Tagen werden die zukünftigen Regierungsparteien über die Zielsetzung in der „Fortschreibung des nationalen Aktionsplans zum Schutze von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung“ verhandeln. Bleibt zu hoffen, dass sich die verantwortlichen Politiker darauf einigen, dass in dieser Legislaturperiode endlich das nachgeholt wird, was in der letzten versäumt wurde: Die Förderung von Maßnahmen zur Prävention von sexuellen Übergriffen unter Kindern und von Modellprojekten zur ambulanten und stationären Therapie mit sexuell übergriffigen Kindern im Vor- und Grundsschulalter.

„Doktorspiele“ oder sexuelle Übergriffe?

Neue Broschüre von Zartbitter!

Die neue Broschüre „Doktorspiele oder sexuelle Übergriffe?“ von Zartbitter e.V. gibt Müttern und Vätern Tipps, wie sie auf Doktorspiele von Kindern im Vor- und Grundschulalter kindgerecht reagieren und sexuelle Übergriffe als solches erkennen können. Zudem zeigt die Broschüre Möglichkeiten auf, wie man betroffenen und sexuell übergriffigen Kindern helfen kann. Bestellbedingungen unter www.zartbitter.de

Einen Link zur Ansicht der Broschüre finden Sie unten auf dieser Seite

Was sind Doktorspiele? Was sind sexuelle Übergriffe?

Wie kann ich Mädchen und Jungen vor sexuellen Übergriffen schützen? Wie kann ich betroffenen und sexuell übergriffigen Kindern helfen? Dieser Beitrag gibt Müttern und Vätern, Pädagoginnen und Pädagogen Tipps für den pädagogischen Alltag.

Als pdf-Link unten auf dieser Seite

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Einen Link zur Broschüre "Ganz schön blöd" finden Sie ganz unteren auf dieser Seite.

"Ganz schön blöd!" Präventionstheater gegen sexuelle Übergriffe unter Mädchen und Jungen im Grundschulalter

Interner Link

Was sind Doktorspiele? Was sind sexuelle Übergriffe? (18KB)

Doktorspiele oder sexuelle Übergriffe! Tipps für Mütter und Väter (5MB)

Checkliste für Eltern bei sexuellen Übergriffen durch Lehrer.doc (63KB)

Ganz Schön Blöd! - Tipps gegen Angstmache, Erpressung und sexuelle Belästigung (1MB)

clickit!Flashanimation (1023KB)

Platzverweis Broschüre (1MB)

"click it!" Mädchen und Jungen.pdf (1MB)

Bestellformular, hier finden Sie alle Zartbitter - Präventionsmaterialien, sowie Bestell- und Lieferbedingungen. (13KB)

11. Pänz Spendenlauf am 20.09.2009 zugunsten Zartbitter Köln e.V. [Mehr]
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