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Werden Jungen zu Tätern erzogen?

Obgleich auch Frauen Mädchen und Jungen sexuell missbrauchen, besteht in der Fachdiskussion inzwischen Übereinstimmung darüber, dass sowohl beim Missbrauch an Mädchen als auch beim Missbrauch an Jungen die Täter meistens Männer und männliche Jugendliche sind – ganz "normale" Jungen und Männer und keine krankhaft veranlagten Einzelgänger. Werden Jungen etwa zu Tätern erzogen?

Eine zentrale Ursache für die Entwicklung zum Täter liegt sicherlich in der männlichen Sozialisation. Jungen wird durch Eltern, Pädagogen, Freunde, Bekannte und die Medien das Leitbild des "erfolgreichen Mannes" vermittelt, der mit Stärke, Distanziertheit und ohne fremde Hilfe "seinen Weg macht". Die meisten Erwachsenen haben die Erwartung, dass aus Jungen "mal was Ordentliches wird, damit sie eine Familie ernähren können". Doch die Realität vieler Jungen und Männer sieht ganz anders aus. Gemessen an den Erwartungen stehen sie auf der Seite der Verlierer. Um diesen Widerspruch zu überspielen, tun viele Jungen so, als ob sie Mädchen, schwächeren Jungen und Frauen gegenüber überlegen wären. Durch besonders "cooles" Gehabe, sexistische Sprüche und sexuelle Übergriffe versuchen sie schon im Vorschulalter ihr brüchiges Selbstbewusstsein "wiederherzustellen". Der Gebrauch von subtiler bis hin zu offener Gewalt erscheint ihnen unausweichlich. So belegen z.B. auch Forschungsergebnisse und zahlreiche Praxiserfahrungen, dass viele junge Täter (sexuelle) Aggression als von ihnen erwartetes männliches Verhalten bewerten. Als Auslöser für ihr sexuell aggressives Verhalten geben sie z.B. Ärger, familiäre Probleme und Langeweile an.

Grenzen sich einzelne Jungen gegen dieses angeblich männliche Verhalten ab, so laufen sie Gefahr, die soziale Anerkennung der anderen Jungen zu verlieren. In jeder Gruppe oder Schulklasse sind einige Jungen, die das sexuell grenzüberschreitende Verhalten nicht mittragen, einige lehnen es sogar offen ab. Diese Jungen gelten häufig als "Verräter" und sind besonderen Anfeindungen ausgesetzt. Unterstützung von Pädagogen und Pädagoginnen bekommen sie kaum. Die sind meist nur froh, "dass wenigstens einige Jungen ihnen keinen Ärger machen". Aus Angst beugen sich nicht wenige dieser Jungen nach einer Weile dem Gruppendruck. Oftmals versuchen sie dann sogar, durch besonders sexistisches Verhalten ihr Ansehen in der Jungengruppe wieder herzustellen und zu sichern.

Jungen werden in der Familie, im Kindergarten und in der Grundschule fast ausschließlich von Frauen betreut. Durch diese "Übermutterung" fühlen sie sich vielfach bedroht. Der Mangel an männlichen Bezugspersonen verunsichert sie in ihrer Suche nach ihrer eigenen Männlichkeit. Da die Jungen viel zu wenig reale männliche Vorbilder haben, orientieren sie sich vor allen an den Medienhelden und glauben, ein richtiger Junge zu sein, wenn sie vor allen Dingen anders als Frauen und Mädchen sind. Sie schließen sich häufig schon im Kindergarten- und Grundschulalter zur Jungenclique zusammen, um sich untereinander ihre Männlichkeit zu versichern und sich gegenseitig zu zeigen, was sie unter Junge-Sein verstehen. Entsprechend dem Motto "Mädchen und Frauen sind blöd!" grenzen sie sich diesen gegenüber ab. Die den Jungen nicht bewusste Enttäuschung und Wut auf erwachsene Männer, von denen sie sich im Stich gelassen fühlen, agieren diese häufig in Form von abfälligen Bemerkungen, körperlichen und sexuellen Attacken gegen Mädchen und Frauen gerichteten aus. Dadurch versuchen viele Jungen, sich selbst zu beweisen, dass sie das stärkere Geschlecht und erfolgreich sind.

Aber nicht nur Mädchen und Frauen sind Ziel der verbalen und körperlichen Übergriffe: Auch vermeintlich "schwächere" Jungen, die sich nicht entsprechend den Erwartungen der Jungenclique verhalten, werden Opfer von sexuellen Übergriffen und Gewalt. Sie werden oftmals als "schwule Sau" oder "mother-fucker" beschimpft oder müssen das gefürchtet "Schwanzgrabschen" erleiden. Wer sich bei solchen sexuellen Übergriffen gegenüber anderen Jungen hervortut, gilt unter Jungen oftmals als besonders "männlich". Nur selten greifen erwachsene Männer ein, um mit einem männlichen Machtwort mal klar zustellen, dass ein solches Verhalten keineswegs männlich, sondern allenfalls gewalttätig ist.

Den Zusammenhalt der für Jungen typischen "Banden" und Cliquen garantieren in der Regel klare Festlegungen der Rangordnung unter den Jungen. Nicht selten wird die Achtung der jeweiligen Rangordnung mit körperlicher oder sexueller Gewalt gesichert wird. Meist ist es Jungen nicht möglich, innerhalb der Cliquen tiefere und vertraute Beziehungen untereinander einzugehen: Man unternimmt etwas zusammen, doch man geht wenig aufeinander ein. Einfluss wird vielfach über direkte Kommandos und körperliche Aggression genommen. Oft sind einzelne Jungen mit sexuell gewalttätigen Aufnahmeritualen, sexistischem Gerede und abschätzigem Verhalten gegenüber schwächeren Jungen, Mädchen und Frauen nicht einverstanden und fühlen sich damit unwohl. Doch geraten Jungen, die nicht mitmachen wollen oder sich ängstigen, leicht in eine Außenseiterrolle. Sie werden schnell ausgegrenzt und isoliert. Die wenigsten trauen sich deshalb, offen gegen die von der Clique ausgeübten sexuellen Übergriffen Stellung zu beziehen. Mutige halten sich allenfalls heraus. Die Gruppendynamik der Jungencliquen macht es Führerfiguren dementsprechend leicht, Jungen an sich zu binden und andere zu sexuellen Gewalttätigkeiten zu verführen oder zu erpressen.

Natürlich dreht sich in der Jugendphase vieles um Mädchen. Gedanken, Fantasien und Gespräche kreisen darum, mit einem Mädchen "zu gehen", mit ihr zu schmusen und zu schlafen. Oft bleiben diese Träume unerfüllt: Mädchen interessieren sich meist für ältere Jungen. Die gleichaltrigen Jungen fühlen sich dadurch abgewertet und wieder als Verlierer. Beziehungen zu Mädchen sind auch aus einem anderen Grund "riskant": Es besteht stets die Gefahr, etwas falsch zu machen und sich zu überfordern. Viele Jungen geben sich Mädchen gegenüber als erfahrener, als sie sind. Oft stehen sie unter einem enormen Druck, gut anzukommen. Fast jeder Junge scheint zu glauben, die anderen seien besser ausgestattet (hätten z.B. einen längeren Penis) und seien "sexuell erfahrener und erfolgreicher" bei Mädchen. Jungen fragen sich z.B., wie sie Mädchen "anmachen" können. Um ihre Ängste zu überspielen und sich vor allem als "Mann zu beweisen", verletzen viele Jungen die Grenzen der Mädchen: Sie halten Mädchen fest, küssen sie gegen deren Willen, grabschen, machen sexistische Bemerkungen. Einige vergewaltigen Mädchen – als Einzeltäter oder im Rahmen von Gruppenvergewaltigungen. Das Ausmaß sexueller Gewalt gegen Gleichaltrige belegt eine Studie: 25% der befragten männlichen Jugendlichen gaben an, Formen sexuell aggressiven Verhaltens verübt zu haben. 85% berichteten, dass sie Frauen und Mädchen zu sexuellen Handlungen gebracht haben, die diese nicht wollten (Krahe 1995).

Jungen wird von klein auf vermittelt, Macht, Intimität, Zuneigung und zuweilen auch Hass und Verachtung zu sexualisieren. Eine solche Sozialisation macht Männer anfällig für Gewalt, Vergewaltigung, Einschüchterung und sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen. Je stärker sich Jungen an dem ihnen durch Eltern, Pädagogen, Freunde, Bekannte und die Medien vermittelten Leitbild des erfolgreichen Mannes orientieren, umso größer ist ihr Risiko, dass sie sich (massiv) sexuell übergriffig verhalten. Dementsprechend haben Söhne von Familien, in denen Männer und Jungen mehr Macht und dementsprechend mehr zu sagen haben als Frauen und Mädchen, ein deutlich erhöhtes Risiko, sexuelle Gewalttäter zu werden.

Was kann ich tun, damit mein Sohn lernt, die Grenzen anderer Menschen wahrzunehmen und zu achten? 


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